Laudatio 2016

(Ismene Wyss)

 

Sehr geehrte Damen und Herren

Liebe Katrin

Liebe Nicole


Ich freue mich sehr, Sie alle hier zur diesjährigen Verleihung des Frauenkunstpreises begrüssen zu dürfen.


Als Jury hatten wir die schwierige Aufgabe, aus insgesamt 23 hochkarätigen Eingaben eine Preisträgerinnen zu erlesen. Zudem hatten wir die Möglichkeit einer zweiten herausstechender Bewerberin die Möglichkeit zu geben, Teil der hier installierten Ausstellung zum Frauenkunstpreis zu sein.

Sie haben es uns nicht leicht gemacht! Denn die eingereichten Dossiers zeichneten sich durch ein interessantes, breites Spektrum an Medien aus! Umso mehr freut es mich heute Abend die zwei Künstlerinnen Katrin Hotz und Nicole Michel hier in der Galerie beehren zu dürfen. Die Grundlage der hier ausgestellten Werke zeigen die vielseitigen Fähigkeiten des Materials Papier: Beide Künstlerinnen nutzten das gleiche Medium, erschaffen doch verschiedenartige Welten.


Zuerst sage ich einige Worte zur Arbeit von Nicole Michel:

„Während dem die Wirrnis sich verdichtet und lärmt, lodern die Brandherde — so wie der letzte Freiraum zerstört wird, droht alles zu ersticken. Plastik, Metall, Holz, Stein, Glas und Fleischliches darben dahin — Ringen und Sterben, zeitgleich und überall.“


Dieses Zitat stammt aus der hier ausgestellten Arbeit Zerrüttung Variation von 2015. Abgebildet ist, wie die Künstlerin es selbst beschreibt, ein Akkumulat von Zerstörtem. Mit ihren Collagen lässt Nicole Michel aus Fragmenten und Detailbildern eine überflutete Bildwelt wachsen, die eine vieldeutige Erzählung über alltägliche und politische Geschehnisse darstellt. Auf Leinwänden erschafft die Künstlerin vielschichtige Collagen die mit dem Betrachter spielen: Immer wieder muss man einen Schritt zurück treten um das gesamte Bild fassen zu können und doch muss man immer wieder nah ans Bild gehen um es in seiner gesamten Komplexität zu verstehen. Die Künstlerin erzeugt in ihren akribisch ausgeführten und atmosphärisch dichten Bildern eine verwirrende Welt, die den Betrachter unwiderstehlich in ihre rätselvollen Tiefen zieht. Sie thematisiert das aktuelle Weltgeschehen wobei der Blick immer zwischen dem individuellen Schicksal und der Gesamttragödie wechselt. Liebe Nicole, es freut uns sehr deine Arbeit durch den Frauenkunstpreis kennengelernt zu haben und wünschen dir alles Gute.


Ich komme nun zur Preisträgerin Katrin Hotz:

Eine kurze Beschreibung soll zu beginn helfen, in die Gedankenwelt der Künstlerin einzutauchen: Lange, zitronenfaltergelbe Papierbahnen sind mit gelben Klebestreifen, in unterschiedlichen Grössen und Schichtungen an der Wand befestigt und ergiessen sich auf dem Boden.

„Enough“ nennt die Künstlerin ihre skulpturartigen Bilder aus Papier. Wir erleben direkt authentisch eine Metamorphose des Materials: Eine Verwandlung seines Zustandes, eine Wandlung durch die Malerei.

Die Arbeiten von Katrin Hotz sind visuelle Experimente mit der Veränderung der Materialität von Papier: Sie bemalt es, zerreisst es, zerknüllt es, bemalt es wieder und legt es übereinander. Die Spuren des Entstehungsprozesses widerspiegeln sich in der Struktur der monochromen Farbe, in den Schürfungen im Papier, in den überlagerten Stellen und im Verlust von Material. Papierbahnen dienen bei Katrin Hotz als Objekt, als Material und als Fläche.


Zudem untersucht sie in ihrer Arbeit die Dreidimensionalität der Malerei: Katrin Hotz arrangiert die Papierbahnen, in unterschiedlichen Grössen, Formen und Schichtungen an den Wänden, gleichsam einer Drapierung – die Papierstücke nehmen den Raum ein und erzeugen eine ganz spezielle Stimmung. Die Arbeit von Katrin Hotz gestaltet den Raum ohne Dominant zu sein. Bei der Gestaltung der Bilder spielen Zufall und Kontrolle eine zentrale Rolle.


Bereits 2003 hat sie zusammen mit Ingrid Käser den Frauenkunstpreis gewonnen. Seit 2005 arbeitet Katrin Hotz aber eigenständig und ihre künstlerische Praxis hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Deine eingereichten Einzelwerke haben uns hinsichtlich deiner hohen ästhetischen Ansprüchen, der Verwandlung von Materialität und der spannenden Raumwirkung uns begeistert und nachhaltig überzeugt.


Liebe Katrin wir möchten dir zu diesem Preis gratulieren und wünschen dir alles gute!

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