Nicole Michel

 

Preisträgerin 2018: Nicole Michel

Preisverleihung: Freitag, 5. Oktober 2018

18.00 Uhr in der Galerie Beatrice Brunner

Jury-Begründung:

2018 verleiht die private Stiftung Frauenkunstpreis den mit CHF 10‘000 dotierten Förderpreis an Nicole Michel (*1984). Die Künstlerin lebt und arbeitet in Bern.

Eine delikate, minutiöse Arbeit mit Papier ist die Grundlage des Werkes von Nicole Michel. Sie konfrontiert uns mit zahllosen Bildfragmenten, in bester Scherenschnitt-Tradition geschnitten aus Zeitschriften und Zeitungen, aus gedruckten Bildern aus dem Fluss des Internets, wo auch die destruktiven Ereignisse der Welt abgebildet sind. Auf grossformatigen Leinwänden erschafft die Künstlerin vieldeutige und vielschichtige Collagen, für die keine Worte nötig sind. Das Wimmelbild spielt mit dem Betrachter: immer wieder muss man einen Schritt zurück treten um das gesamte Bild fassen zu können und doch muss man immer wieder nah ans Bild gehen um es in seiner gesamten Komplexität zu verstehen. Nicole Michel ordnet die multiplen Bildausschnitte wie eine Sammlerin in Schachteln und Schubladen. Oft experimentiert sie Teile einer Komposition auf einer zweiten Fläche, bevor sie auf dem eigentlichen Bild fixiert werden. In dieser Suche setzt sie auch leere Bücher ein, in die sie die alltäglich gesammelten Bilder einklebt und damit Moment aus dem Weltgeschehen festhält. Diese werden zu visuellen Tagebüchern, die beim Durchblättern der Betrachterin einen individuellen Blick auf die Welt eröffnen. Einige Werke von Nicole Michel können uns Schmerz zufügen, da sie in ihrer Bildschwemme eine apokalyptische zeitgenössische Welt zeigen. Die schier endlose Menge von fotografischen Fragmenten aus aller Welt kann uns auch als ein Mosaik möglicher Reiserouten erscheinen; Reisen einer Journalistin oder eines Reporters, welche die Ereignisse dieser Welt zu dokumentieren sucht, aber in der Flut ihrer Einzelteile auch zu ertrinken droht. Die Künstlerin erzeugt in ihren akribisch ausgeführten und atmosphärisch dichten Bildern eine verwirrende Welt, die die Betrachterin unwiderstehlich in ihre rätselvollen Tiefen zieht.

Nach eingehender Diskussion hat die Jury einstimmig beschlossen, Nicole Michel mit dem Frauenkunstpreis in der Höhe von CHF 10'000 auszuzeichnen.


Zweitplatziert ist Natalie Reusser (*1988).

Die Arbeit von Natalie Reusser hat sich auf der zeitgenössischen Linie entwickelt, die von der figurativen Malerei zur räumlichen Installation führt. Die Künstlerin ist an der Erforschung unterschiedlicher Materialien interessiert. Damit realisiert sie Formen, die zwei- oder dreidimensional sein können. Diese können an der Wand hängen oder sich auf dem Boden befinden, Materialien wie Jute, Plastik, Schnur, Wachs, Latex, Karbon oder Bindemittel treffen im Arbeitsprozess aufeinander. Natalie Reusser ist eine Entdeckerin von Grössen und Materialien, die sie in immer neuen Kompositionen prozessual zusammenfügt. In ihrem Atelier hat uns Natalie Reusser Arbeiten gezeigt die von weitem subtil, zerbrechlich erscheinen mögen, aus der Nähe jedoch die Kraft des Materials Stabilität und Kraft ausstrahlt – aus beiden Perspektiven strahlen die Arbeiten poetische Aura aus, welche die Betrachterin zu berühren vermag.

http://www.frauenkunstpreis.ch
http://www.beatricebrunner.ch
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